preload
Sep 02

Claus RAIDL, Vorsitzender des Vorstandes der BÖHLER-UDDEHOLM AG und Präsident der Österreichischen Nationalbank, stellt im Rahmen der Plenumsdiskussion „Ökonomie im Spannungsfeld von Staat, Markt und Zivilgesellschaft“ bei den Wirtschaftsgesprächen am Forum Alpbach die Frage, ob wir uns wirklich noch als Leistungsgesellschaft definieren oder schon eher als Erfolgsgesellschaft.

Er macht das fest an dem Beispiel eines Spekulanten, der innerhalb kürzester Zeit etliche Millionen verdient, also sehr erfolgreich ist, fragt jedoch, ob das etwas mit Leistung zu hat. Er meint wir wären eher eine Erfolgsgesellschat mit dem schalen Beigeschmack, dass Erfolg heutzutage leider alle Mittel heilige.

Leistungsgesellschaft war ein Begriff der in diesem Wirtschaftsgesprächen sehr oft in den Mund genommen wurde. Unter dem obigen Aspekt kann ich mich auch deutlich eher mit einer Leistungsgesellschaft identifizieren als mit einer Erfolgsgesellschaft. Andererseits erzeugt auch dieser Begriff bei mir ein gewisses Unbehagen. Dieses Unbehagen kommt daher, dass immer wieder Aussagen im Raum stehen wie: „Leistung solle sich lohnen“, was oft impliziert, dass man nicht allzu freizügig mit der Verteilung sozialer Mittel umgehen sollte, weil sonst keiner mehr arbeiten würde!

Ist das denn so? Und vor allem, leisten denn die Bezieher von Sozialleistungen wirklich nichts? Es mag ja in einigen Fällen stimmen doch in der Regel habe ich die Erfahrung gemacht, dass all diese Menschen in irgendeiner Form aktiv sind. Sei es, dass Sie Kinder aufziehen und erziehen, sich um ihre Familie kümmern, vielleicht auch alte Menschen im Familienverband pflegen und vieles andere mehr.

Leistung ist also möglicherweise etwas zu einseitig definiert in unserer Gesellschaft. Leistung meint eine Tätigkeit bzw. einen Einsatz für den jemand bereit ist zu zahlen. Ob der Künstler eine Leistung erbringt oder nicht hängt dann wohl davon ab, ob sich seine Bilder verkaufen lassen ….?

Ich meine Leistungsgesellschaft ist durchaus OK doch sollten wir Leistung nicht gar so eng sehen, sondern eher davon ausgehen, dass jeder Mensch, wenn seine Existenz gesichert und er auch sonst gesund und bei Kräften ist, großes Interesse an Leistung hat. Großes Interesse hat, etwas zu tun bzw. sich für etwas einzusetzen was er für wichtig hält.

Wenn wir hier unser Denken etwas öffnen, könnten wir vielleicht etwas weniger kleinlich mit den Sozialleistungen umgehen und dies könnte uns wiederum der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens einen Schritt näher bringen.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.